„Ich hatte da aber eigentlich eine Idee…“ – dieser Satz fällt, aber meist in der Kaffeepause, nach einem Workshop oder beim Verlassen des Raums. Während des Meetings herrschte Stille. Niemand wollte den ersten Schritt machen.
Erst später wurde mir klar, dass die guten Ideen die ganze Zeit da waren.
Das wirft eine interessante Frage auf: Warum behalten Menschen ihre Ideen für sich, wenn Unternehmen sie doch so dringend brauchen?
Die Antwort hat weniger mit Kreativität zu tun, als viele denken.
Großartige Ideen entstehen nicht (nur) in Workshops
Viele Unternehmen investieren in Methoden oder neue Workshop-Formate. Das ist verständlich. Dennoch erleb ich oft, dass dieselbe Methode in einem Team hervorragend funktioniert und in einem anderen kaum Wirkung zeigt.
Der Unterschied liegt jedoch selten in der Methode selbst.
Oft geht es darum, ob die Teilnehmenden sich trauen, ihre Gedanken zu äußern.
Denn jede Idee beginnt mit einem Moment der Unsicherheit: Ist meine Idee gut genug? Was, wenn andere es seltsam finden? Vielleicht ist meine Idee gar nicht relevant?
Innerhalb von Sekunden geben wir diesen inneren Zweifeln nach.
Und das Ergebnis: Die Idee bleibt im Kopf.
Kreativität ist nicht nur etwas für Künstler*innen
Viele verbinden Kreativität mit Künstler*innen, Designer*innen oder besonders fantasievollen Menschen.
Ich sehe das anders: Kreativität beginnt damit, neue Verbindungen herzustellen, Fragen zu stellen oder Bekanntes zu verlassen. Jede*r besitzt diese Fähigkeit.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Anzahl der Ideen.
Er liegt im Selbstvertrauen, die eigene Idee sichtbar zu machen.
Und hier kommt die Creative Confidence ins Spiel.
Was bedeutet Creative Confidence?
Creative Confidence beschreibt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Ideen zu entwickeln, mit ihnen zu spielen und sie mutig nach Außen zu tragen.
Es geht darum, den Mut zu haben, den ersten Gedanken auszusprechen. Dieser Gedanke muss nicht perfekt sein. Oft kann eine kleine Idee im Gespräch zu etwas viel Größerem heranwachsen.
Aber sie muss dafür erst einmal ausgesprochen werden.
Warum Methoden allein nicht ausreichen
Ich liebe Design Thinking. Die Methode bietet einen klaren Rahmen, um Probleme besser zu verstehen, Ideen zu entwickeln und Lösungen zu testen. Dennoch sehe ich immer wieder Folgendes: Zwei Teams arbeiten mit derselben Methode. Ein Team entwickelt viele verschiedene Ansätze und das andere bleibt bei den bekannten Lösungen.
Warum?
Weil Methoden Werkzeuge sind: Ob sie funktionieren, hängt davon ab, wie die Beteiligten zusammenarbeiten.
Wenn niemand Fragen stellt, Gedanken teilt oder unfertige Ideen kommuniziert, dann kann selbst die beste Methode ihr Potenzial nicht ausschöpfen.
Deshalb kombiniere ich Design Thinking mit Creative Confidence: Die Methode gibt die Richtung vor und Creative Confidence schafft die Bereitschaft, sie effektiv anzuwenden.
Anzeichen für mangelnde Creative Confidence
Ein Creative Confidence-Defizit zeigt sich selten durch laute Ablehnung, häufiger begegnen wir ihm subtiler.
Zum Beispiel, wenn:
- nur dieselben Personen sprechen
- Ideen sofort bewertet werden
- Perfektion höher bewertet wird als Experimentierfreude
- Fragen unbeantwortet bleiben
- Menschen lieber schweigen, selbst wenn sie etwas Wertvolles beitragen könnten
Das ist kein Zeichen mangelnder Motivation!
Viele Mitarbeitende möchten sich einbringen, brauchen aber ein Umfeld, in dem sie sich sicher fühlen, ihre Gedanken zu teilen.
Unternehmenskultur entsteht im Alltag
Eine innovative Kultur entsteht nicht durch ein Motto an der Wand.
Sie entsteht in kleinen Momenten,…
…wenn Führungskräfte neugierig Fragen stellen.
…wenn unfertige Gedanken willkommen sind.
…wenn Fehler als Lernchancen gesehen werden.
…wenn unterschiedliche Perspektiven ausdrücklich erwünscht sind.
Dort beginnt Veränderung: Mit dem Verhalten der Menschen.
Drei Fragen für deine tägliche Arbeit
Nimm dir einen Moment Zeit zum Nachdenken:
- Wann hast du das letzte Mal bewusst eine Idee für dich behalten?
- Wie reagieren deine Teammitglieder auf ungewöhnliche Vorschläge?
- Was müsste geschehen, damit mehr Ideen ausgesprochen werden?
Die Antworten verraten oft mehr über die Unternehmenskultur als jede Mitarbeiter*innenbefragung.
Mein Fazit
Ich glaube, es gibt weitaus großartigere Ideen, als in Unternehmen sichtbar umgesetzt werden. Die eigentliche Aufgabe besteht daher nicht nur darin, neue Methoden einzuführen.
Es geht vor allem darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen ihre Gedanken vertrauensvoll teilen können.
Hier treffen Design Thinking und kreatives Selbstvertrauen aufeinander.
– Die Methode bietet Struktur.
– Creative Confidence gibt den Mut, diese Struktur in die Praxis umzusetzen.
Und genau hier beginnt echte Innovation. Nicht mit der fertigen Idee, sondern mit dem ersten, mutigen Satz: „Ich hab da eine Idee…“

